Buchtipp: Befreiung vom Überfluss von Niko Paech

„Befreiung vom Überfluss“ von Niko Paech ist eines jener Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen mag, hat man sich auf die Gedankengänge des Autors eingelassen. Ein Buch, welches die eigene Gedankenwelt prägen und verändern kann. Der Untertitel weist die Stoßrichtung: „Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“. Es ist eines jener Bücher, wo ich den Marker heraushole und mir wichtige Passagen anstreiche. Dass ich „Befreiung vom Überfluss“ ausdrücklich empfehle, dürfte hiermit klar geworden sein, doch was erwartet den Leser eigentlich?

043427723-befreiung-vom-ueberflussNiko Paech hält ein Wohlstandsmodell, dass aufgrund seiner chronischen Wachstumsabhängigkeit unrettbar geworden ist, für nicht mehr tragbar. Unsere persönliche wie globale Abhängigkeit von komplexen überregionalen Versorgungsketten und Marktdynamiken birgt so eine Risiken und führt uns unweigerlich in eine ökologische Sackgasse: „Unser ohne Wachstum nicht zu stabilisierender Wohlstand ist das Resultat einer umfassenden ökologischen Plünderung“. Unser vermeintlich glücksbringender Konsum treibt die Umweltzerstörung weiter voran: „Derzeit verzetteln wir uns in einer reizüberfluteten Konsumsphäre, die unsere knappste Ressource aufzehrt, nämlich Zeit. Durch den Abwurf von Wohlstandsballast hätten wir die Chance, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt im Hamsterrad der käuflichen Selbstverwirklichung zusehends Schwindelanfälle zu erleiden. Weniger Dinge intensiver nutzen und zu diesem Zweck Optionen einfach souverän zu ignorieren, bedeutet weniger Stress und damit mehr Glück“.

Keine Angst, „Befreiung vom Überfluss“ is nicht yet another Lebenshilferatgeber, sondern äußerst sachlich und geerdet, ja es wird sogar munter gerechnet. Niko Pasch kommt im Fazit zur Überzeugung, „wer heute noch Wachstums propagiert, muss an nicht weniger als zwei Entkopplungswunder glauben, nämlich hinsichtlicher knapper Ressourcen und ökologischer Schäden“. Und doch, so Pasch, gibt es Hoffnung, denn wir haben (noch) die Wahl. Das Abwerfen von Fremdversorgungsballast, dafür eine größere ökonomische Souveränität, die Eindämmung der kaum zu bewältigenden Reizüberflutung, moderne Subsistenz durch Eigenproduktion oder Reparatur, weniger kaufen, mehr tauschen, besser nutzen – dieses sind nur einige, teilweise vielleicht sogar banal klingende – Alternativen, die uns eine Postwachstumsökonomie bieten kann, denn: „Wer nicht über seine ökologischen Verhältnisse lebt, sondern ein kerosin- und auch sonst plünderungsfreies Glück genießt, muss nicht ständig neue Ausreden erfinden“.

In diesem Sinne eine absolute Lesempfehlung.

Niko Paech – Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. Oekom Verlag 2012. 14,95 Euro.

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