Bucherscheinung: Die Generation „Man müsste mal“ von Claudia Langer

„Man müsste mal“ – wie oft haben wir diesen Spruch gehört oder selbst gesagt? Klar, es muss sich was ändern, aber muss das unbedingt bei mir selbst sein? Ist es nicht sowieso egal, ob ich was ändere oder nicht – was kann ich schon ausrichten? Außerdem hat man doch immer irgendeine Ausrede parat, warum irgendwas zwar grundsätzlich gut findet, man aber nicht gerne bei sich selbst mit Veränderungen anfängt. Kommt euch das alles irgendwie bekannt vor?

Claudia Langer ist seit einigen Jahren vielen an nachhaltigen Themen interessierten Menschen bekannt als die Gründerin von Utopia.de, einer „Welterverbesserungs“-Internetplattform, die Verbrauchern Tipps für eine nachhaltigere, ökologisch ausgerichtete Lebensweise anbietet. Das gelingt mal besser, mal schlechter, manches geht in die Hose, andere Aktionen gelingen gut. Einige Kritiker werfen Utopia.de vor, zumeist eher oberflächlich Themen zu streifen, statt neue Informationen zu bieten, andere mokieren eine enge Partnerschaft mit großen „bösen“ Unternehmen wie der Telekom oder Ikea. Doch auch wenn man die Plattform mit kritischem Blick betrachtet, darf man die Massenwirkung durchaus anerkennen, und nicht alle Leser sind „Öko-Profis“, sondern vermutlich oftmals Einsteiger ins Thema, die dankbar für Anregungen sind.

 Claudia Langer klagt an

Nun hat Claudia Langer ein Buch geschrieben, dessen Titel mich gleich neugierig gemacht hat, denn diesen Spruch vernehme ich auch viel zu häufig in meinem Umfeld, und ich selber sage ihn sicher auch noch gelegentlich. Frau Langer klagt an: Politiker, Manager, Wissenschaftlicher aber vor allem uns alle, die Menschen, die für Veränderungen sorgen müssen angesichts ökologischer und klimatischer Entwicklungen, die uns sorgen sollten. Wir ahnen oder wissen zwar, dass die Menschheit zukünftig nicht mehr so leben und konsumieren kann, wie sie das heute tut, um es mal vereinfach auszudrücken. Wenn uns unsere Nachfahren nicht egal sind, so sollten wir anfangen, vor der eigenen Haustüre zu kehren, und Veränderungen in Kauf nehmen, die nicht immer alle einfach sind: „Wir nehmen der Erde mehr, als wir zurückgeben. Unsere Schulden müssen andere zurückzahlen. Wir sind dann längst nicht mehr da“ .

Frau Langer tut dies recht provokativ, fordert den Leser auf, den inneren Schweinehund zu überwinden, seine Bequemlichkeit oder Egoismus endlich beiseite zu schieben, aufzuhören mit all den Ausreden: „Eigentlich wissen wir doch ganz genau, dass wir handeln müssen. Wir leben in einer Welt, die kurz vor dem Kollaps steht: Das Bevölkerungswachstum nimmt drastisch zu, der Lebensraum nimmt ebenso drastisch ab. Es ist nur nicht so, dass diese Dinge wie von Geisterhand allein zu- oder abnehmen. Die Geisterhand, das sind wir. Sie und ich“.

Das Buch hat wohl kaum den Anspruch, umfangreiche konkrete Lösungsansätze zu bieten, zumindest tut es das m.E. nach nicht, oder bietet etwas neues. Es gibt ein paar Hinweise, einen Ökostromanbieter zu wählen, Strom zu sparen oder die Bank zu wechseln – dass der Verzicht auf Fleisch eine ungleich größere Wirkung auf eine bessere Klimabilanz hat als Standby-Geräte abzustecken, hab ich persönlich dann doch ein wenig vermisst, hängt aber wohl damit zusammen dass Claudia Langer persönlich in Sachen Fleischkonsum eher noch in der „Man müsste mal“-Phase steckt. Bei der letzten Utopia-Konferenz gab es massenweise (Bio-)Currywurst und kaum vegetarisches. Aber wie sie völlig zu recht anführt: Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Ähnlich wie Utopia.de kratzt Frau Langer oftmals nur an der Oberfläche, aber das ist im Gesamtkontext des Buches völlig in Ordnung, denn es geht ihr um etwas Generelles, ums Aufrütteln, um einen Perspektivenwechsel. Darum, den Blick nicht mehr abzuwenden, sich nicht herauszureden, Verantwortung bei sich selbst zu sehen.

 Gute Diskussionsgrundlage

„Die Generation Man müsste mal“ ist daher mindestens eine gute Diskussionsgrundlage für die bessere Aktivierung unseres größten Hebels, den wir haben: Uns selbst. Und da geh ich völlig konform mit Claudia Langer. Wir haben keine Zeit mehr für Ausreden, wir können uns nicht weiter so verhalten, als hätten wir noch einen Ersatzplaneten in der Garage. Und daher lasst uns bitte an die eigene Nase fassen. Auch ihr lieben Prenzlauer Berg-Yuppies, die Frau Langer direkt anspricht: Man kann auch mit dem Rad zum Biomarkt fahren, es gibt schöne fair hergestellte Fahrradtaschen und ein Rad verbraucht kein Benzin. Und regionale, saisonale Früchte schmecken mindestens genauso gut wie Bio-Flugobst. Ok, das war jetzt fies. Aber ihr wisst was ich meine.

Das Buch „Man müsste mal“ erscheint am 27.09.2012. Am gleichen Tag ab 20 Uhr gibt es eine Buchpremiere im Heimathafen Neukölln, moderiert von Sandra Maischberger, und ein weiterer Gesprächspartner ist Peter Unfried von der taz. Hier gibt es das Buch zu kaufen.

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