Buchtipp: Die Essensvernichter

„Die Essensvernichter“ von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn gehören für mich zu diesen Büchern, die ich für so wichtig und gut halte, dass ich mir wünsche würde, jeder würde sie lesen. Auch für jene Menschen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit schon länger beschäftigen, ist dieses Buch zum vor einiger Zeit in den Kinos gezeigten Filmes „Taste the waste“ lesenswert, denn man bekommt auf knapp 300 Seiten einen fantastischen Einblick zu einer globalen Problematik, zu der jeder einzelne von uns beiträgt, aber sich kaum jemand Gedanken macht: Müll. Auf allen Stufen des Produktionsprozesses, sozusagen vom Feld bis zu unserem Mülleimer in der Küche, werden Lebensmittel weggeworfen oder wir Energie uneffektiv verschwendet. Hört sich zunächst mal nicht so an, als sei dieses eine so große Sache, oder? Aber eine Aussage beweist die tatsächliche Tragweite: Mit den Lebensmitteln, die in Europa vernichtet werden, könnten die Hungernden der Welt zweimal ernährt werden! Und die Rechnung ist dabei ganz simpel: Wenn wir in der Mitte und am Ende der Kette Nahrung wegwerfen, müssen wir am Anfang mehr anbauen.

Je nach Berechnungsmodell landet mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel auf dem Müll, und alleine in Deutschland sollen dies pro Jahr bis zu 20.000.000 Tonnen sein. Das gleichzeitig 11 Millionen Kinder unter 5 Jahren jedes Jahr an den Folgen von Unternährung sterben, scheint doch dann an Zynismus kaum zu überbieten. So kommt der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler zum Schluss: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Unser Wegwerfen führt indirekt zu Hunger auf der Welt.

Die Autoren nehmen den Leser auf eine spannend geschriebene Reise mit, in der uns das Ausmaß des Müllproblems bewusst wird, seine Auswirkungen auf den Hunger in der Welt und den Klimawandel deutlich werden, und Ursachen und Verursacher wie z.B. Nahrungsspekulationen dieses zynischen Systems erklärt werden. Sie klagen dabei nicht nur an, sondern zeigen Lösungswege auf, für die Politik, die Industrie aber auch für den Konsumenten. Es werden positive Ansätze aufgezeigt wie die Slow Food-Bewegung, Urban Gardening, Food Coops oder die Möglichkeiten des Recyclings. Aber es wird vor allem auch an uns Verbraucher appelliert, denn ein wichtiger Aussgangsgrund für die unglaubliche Lebensmittelverschwendung ist schlicht und ergreifend darin zu suchen, dass „der Konsument“ auch kurz vor Ladenschluss volle Regale und eine riesige Auswahl und Frische erwartet. Deswegen werden ganze Packungen Obst weggeworfen, nur weil eine Traube leicht angegammelt ist, oder Joghurts bereits vor dem MHD (über das leider völlig falsche Vorstellungen vorherrschen) in den mittlerweile zumeist hoch umzäunten Müllcontainern des Supermarktes landen, wo nur noch Unerschrockene „containern“ gehen können (was in Deutschland als Diebstahl gilt). Auf dem Feld oder der Bananenplantage werden nicht der Norm entsprechende Gemüse- oder Obstteile bereits vorher aussortiert, und weil viele Menschen gerne Großpackungen oder Angebote (Nimm 2, zahl 1) in den Einkaufswagen legen, landet vieles davon im Müll, weil man keine Zeit findet, das zuzubereiten. Und so weiter. Und so weiter. Ich könnte noch seitenweise über dieses tolle Buch schreiben, das auch anhand von ganz hervorragend gemachten Grafiken Problematiken visuell untermalt, das im Anhang eine tolle Linkliste bietet und vieles mehr.

Die Autoren tragen mit diesem höchst wertvollen Buch dazu bei, Aufklärung zu betreiben, denn wenn wir mehr lernen und wissen über unser Essen, dann erzeugen wir auch weniger Müll. Ich finde das ist Ihnen in höchstem Maße gelungen, und ich empfehle dieses Buch daher ganz ausdrücklich.

„Die Essensvernichter“ von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn. Weitere Infos zum Buch findet ihr hier

2 Gedanken zu “Buchtipp: Die Essensvernichter

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