Vegan? Nun übertreib mal nicht, du Spinner! (Vegan-Special, Teil 1)

Heute starte ich mal mit einem Outing: Ich ernähre mich vegan. Als ich vor einigen Monaten beschloss, mich fortan rein pflanzlich ohne jegliche tierliche Bestandteile, also vegan zu ernähren, war ich doch teilweise über die Reaktionen von Freunden erstaunt: “Jetzt machst du mir Angst” oder “Jetzt übertreibst du aber wirklich” waren typische Reaktionen. Freundlicher waren immerhin Nachfragen wie “Und was kannst du jetzt überhaupt noch essen?”. Ich selber empfand aber die Umstellung auf eine vegane Ernährung keineswegs schwierig oder entbehrungsreich, und möchte daher auf diesem Wege hoffentlich das eine oder andere Vorurteil ausräumen, sensibilisieren und Interesse für eine vegane Ernährungsweise wecken.

Selbstverständlich werde ich auf jeglichen Dogmatismus oder erhobenen Zeigefinger verzichten, da dieses wenig hilfreich ist. Ich habe mich selbst bis vor wenigen Monaten noch “omnivor” (= Allesfresser) ernährt, und erhebe keinesfalls den Anspruch, die einzig richtige Ernährungsweise gefunden zu haben, doch sie scheint mir persönlich im Sinne der Tiere, Menschen, Umwelt und meiner eigenen Gesundheit die nachhaltigste.

Ich bin nicht esoterisch verklärt und halte grundsätzlich jeden kleinen Schritt in die vermeintlich richtige Richtung für gut, sprich auch eine Reduzierung des Konsums von tierlichen Produkten. Keiner verlangt von irgendwem, dass er alles gleich komplett ändert, denn nichts ist nunmal so schwer wie das Ändern von langjährigen Gewohnheiten wie der Ernährung. Ich persönlich wäre im Nachhinein halt froh, schon früher besser gewusst zu haben was mein Griff z.B. zum (Bio-)Fleisch im Kühlregal für Tiere, Umwelt, Menschen und Klima bedeutet. Ich hätte gerne eine solche Serie wie diese häppchenweise gelesen, und genau deshalb schreibe ich sie jetzt, in der Hoffnung dem einen oder anderen einen Denkanstoß zu geben.

Ich möchte den an diesen Gedanken Interessierten unter euch in einer kleinen Vegan-Serie einen Überblick über die für mich wichtigsten Argumente für eine vegane Ernährung bieten, interessante Blogs und Infoseiten zum Thema nennen, weiterführende Literatur- und Filmhinweise geben, Kochbücher- und Internetseiten sowie Apps anführen und euch zeigen wo man gut vegane Produkte einkaufen kann. Selbstverständlich darf ein Überblick über die Berliner vegane Gastronomieszene nicht fehlen, in der “Bio” in der Regel auch kein unbekanntes Wort ist.

Aber was bedeutet das für dieses Blog? Nun, ich werde weiterhin über Restaurants, Imbisse und Cafés berichten, in denen auch fleisch- oder fischhaltige Gerichte angeboten werden. Essen werde ich dort aber vegane Speisen. Ich denke das tut der Qualität dieses Bogs aber keinen Abbruch. Trotzdem gilt vieles, dass ich in dieser Serie anspreche leider auch für den Verzehr von tierlichen Bio-Produkten. Dazu später mehr.

Bevor ich mich mit den für mich wichtigen Grundlagen, die mich zu einer veganen Ernährungsweise bewegt haben, befasse, möchte ich bereits jetzt ein kleines Fazit voranstellen: Es macht mir wirklich Spass, mich vegan zu ernähren, und ich fühle mich sehr gut damit. Ich finde es überhaupt nicht schwierig, auch wenn es sicher hier und da ein (tierliches) Produkt gibt, dass man eben nicht einfach ersetzen kann – trotz aller veganen Schnitzel, Würstchen, Gyros usw. Im Gegenteil hat es mir noch nie mehr Spass gemacht, noch bewusster einzukaufen und zu kochen als jetzt, und ich bin fest davon überzeugt, dass ich diesen eingeschlagenen Weg mit großer Freude und Überzeugung lange gehen werde.

Warum dem so ist, möchte ich im Folgenden näher bringen. Dazu kommen wir um etwas Theorie nicht umhin, aber ich fasse mich möglichst kurz, da euch diese kleine Serie ja lediglich einen Einstieg ins Thema vermitteln soll. Natürlich gibt es eine Menge Webseiten zum Thema, ich finde diese aber oftmals überladen, und würde gerne mit dieser Reihe den Versuch eines möglichst logischen und „sanften“ Einstiegs wagen.

Definiton und Gründe für den Veganismus
Am Anfang steht üblicherweise eine Definition, in diesem Falle des Wortes “Veganismus”: Die ethisch motivierte Ablehnung jeglicher Nutzung von Tieren und Produkten (Duden). Das beinhaltet natürlich auch, keinerlei tierische Produkte wie Leder, Wolle oder Seide sowie unter Zuhilfenahme von Tierversuchen erstellten Produkten zu nutzen, streng genommen auch nicht in den Zoo oder Zirkus zu gehen. Abgesehen von der ethisch begründeten Motivation sind Menschen auch aus ökologischen, gesundheitlichen oder religiösen Gründen Veganer, und bei vielen beschränkt sich der gelebte Veganismus ausschließlich auf die Ernährung, was aber wohl auch der umfangreichste Aspekt ist.

Eine streng vegetarische Ernährungsweise ist gleich einer veganen Ernährung. Wer zwar kein Fleisch und Fisch isst, aber nicht auf Milchprodukte und Eier verzichtet, wird als Ovo-Lacto-Vegetarier bezeichnet. Wer bei tierlichen Produkten nur auf Milchprodukte zugreift, lebt lacto-vegetarisch oder ovo-vegetarisch (Eier). Wer nur Fisch zu sich nimmt, sonst aber auf tierliche Produkte verzichtet, wird als Pescetarier bezeichnet. Außerdem gibt es noch Pudding-Vegetarier (nur Süßigkeiten), und Vegetarier, die gelegentlich Fleisch essen, bezeichnet man schließlich als Flexitarier. Kompliziert, oder? Schade übrigens wenn gerade solche Labels dazu benutzt werden andere zu diffamieren oder sich selbst als “besser” darzustellen.

Was sind nun für mich die wichtigsten Argumente für eine vegane Ernährung? Im folgenden zunächst einmal kurz zusammengefasst, bevor es in den folgenden Artikeln dieser Reihe mehr dazu gibt.

1. Ethische Gründe (Tierrecht): Für mich sollen keine Tiere ausgebeutet, gequält oder getötet werden. Besonders schlimm ist die Massentierhaltung, aus der ca. 95% des Fleisches in deutschen Kühlregalen kommt. Aber auch Bio-Schweine werden nicht totgestreichelt. Schweine, Fische oder Hühner sind darüber hinaus durchaus intelligente Tiere mit komplexem Sozialverhalten. Und übrigens: Auch Milchprodukte und Eier sind problematisch für Tier und Mensch.

2. Ökologische Gründe: Massentierhaltung bringt erhebliche Umweltbelastungen mit sich, vom enormen Verbrauch an Ressourcen über die Zerstörung von Ökosystemen bis hin zur Verursachung extrem großer Klimaemissionen, denn der weltweite Fleischkonsum verursacht weitaus mehr Emissionen als der gesamte Verkehr weltweit.

3. Gesundheitliche Gründe: Entgegen bestehender Vorurteile kommen zahlreiche anerkannte Untersuchungen wie die China Study zum gleichen Ergebnis: Eine ausgewogene rein pflanzliche Ernährung scheint die gesündeste Lebensweise zu sein, eine vegane Ernährung vermindet Krankheitsrisiken in hohem Maße oder führt sogar zur Heilung von Krankheiten.

4. Welthunger: 1,6 Mrd. Menschen sind weltweit übergewichtig, während fast 1 Mrd. hungert. Für die Herstellung von 1 KG Rindfleisch wird 16 KG Getreide und ca. 20.000 Liter Wasser benötigt. Gibt es dort einen Zusammenhang? Ja, unser Fleischkonsum produziert Hunger.

Ich möchte diesen ersten Beitrag zur Vegan-Reihe mit 2 Buchempfehlungen schließen, die für mich persönlich der Einstieg in den Fleisch-Ausstieg erleichtert haben: “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer sowie “Anständig essen” von Karen Duve (hier meine Rezension). Diese gleichsam informativen wie auch hervorragend geschriebenen Bücher (was der Tatsache geschuldet sein dürfte dass beide Autoren zuvor Bestseller-Romane geschrieben hatten) haben mich und viele andere Menschen bestärkt, fortan kein Fleisch mehr essen zu wollen. Ich halte vor sie für hervorragende Einstiegsliteratur, da alles andere als trocken oder sensationslüstern geschrieben, sondern sachlich und trotzdem spannend.

Folgendes Interview mit Jonathan Safran Foer finde ich sehr sehenswert:

Auch Karen Duve wurde interviewt, und gibt preis, wie sie heute mit all ihrem Wissen ums Thema lebt:

Der witzige Button rechts oben im Artikel stammt übrigens von hier: www.veggie-love.de

Zum zweiten Teil dieser Serie geht es hier.

 

 

 

 

 

 

26 Gedanken zu “Vegan? Nun übertreib mal nicht, du Spinner! (Vegan-Special, Teil 1)

  1. Anonymous schreibt:

    Sorry, der Inhalt ist wahnsinnig spannend – aber die Schriftfarbe ist wahnsinnig anstrengend. Bin nur bis zur Hälfte gekommen.
    Kannst du das ändern? Dann bin ich dein Fan!!!

  2. Black Swan schreibt:

    Hallo Patrick,
    ich hatte einen Beitrag gepostet. Warum ist der nicht erschienen?
    Wenn er untergegangen ist poste ich ihn gern nochmal. Wenn Du ihn gelöscht hast, wüßte ich gerne warum.

  3. Black Swan schreibt:

    Aha, klappt.🙂 Teil 2:
    Vegan essen ist gesünder? Was ißt man denn so?
    Veganes Pseudo-Fleisch? Soja? Autsch! So ziemlich das Übelste, was man essen kann. Ein Trick der Nahrungsmittelkonzerne, den Leuten Industrieabfälle als „Gesundheitskost“ anzudrehen. Ein Fall für foodwatch!
    http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2005/03/23/soy-part-ten.aspx
    The Whole Story of Soy:
    http://tinyurl.com/5vrm5kg
    Gut informierte Veganer wissen auch, daß man Soja unfermentiert lieber meiden sollte. Also nix mit Soja-Schnitzel, Tofu-Burger und so
    http://www.vegan-nutritionista.com/some-dangers-of-soy.html

    Seitan? Schrippen? Getreide ist auch nicht so toll. Es ist „piss poor nutrition“ wie Harvard –Chemiker Dr. Mat Lalonde sagt. Und es wehrt sich wesentlich effektiver als ein Huhn gegen hungrige Tiere. Deshalb würde ich Getreide eher meiden, egal ob Allesesser oder Veganer.
    http://fitfemaleforty.com/2010/11/10/got-leaky-gut/
    Kardiologe Dr. William Davis: Herzkrankheit vorbeugen: Keine Getreideprodukte essen:
    http://www.wellsphere.com/heart-health-article/unexpected-effects-of-a-wheat-free-diet/805019
    http://www.trackyourplaque.com/blog/2011/01/the-five-most-powerful-heart-disease-prevention-strategies.html

  4. Black Swan schreibt:

    Teil3:
    Protein- und Vitaminmangel kann man vegan nur mit Pillen, Proteinpulver und anderem künstlichen Zeugs (Tofu, Seitan) vermeiden.
    „Why Vegans Love Processed Foods. Part One: Necessity.
    http://letthemeatmeat.com/post/182845868/why-vegans-love-processed-foods-part-one-necessity

    Sämtliche gesundheitsorientierten blogger, über die ich jemals gestolpert bin – vom Viel-Fleisch- Esser bis zum Veganer- – vom Molekularbiologen über den Arzt bis zur Hausfrau- sind sich in einem Punkt einig: „Eat real food, stay away from processed food.“
    Ups! Bad news. Vollwertige Ernährung ohne Kunstfutter ist vegan extrem schwierig, für Omnivore aber kein Problem. Außer dem Geldproblem natürlich: Qualitativ hochwertige echte Lebensmittel sind teurer als in billigem toxischem Omega-6-Pflanzenöl gebratenes Fast Food, Müsli und Tütensuppen. Aber daß Gesundheit in Industriegesellschaften eine Geld- und Bildungsfrage ist, weiß ja nun auch jeder.

    Kein Soja, kein Getreide. Was also essen?
    Die “gesunden“ Pflanzenöle ? Das ist die größte Ernährungslüge des 20. Jahrhunderts. „The Oiling of America“ (Sally Fallon) Die kam zusammen mit der Cholesterin-Lüge.
    Smarte Industrie-Manager und -ähem…..sehr karriereorientierte Wissenschaftler und Staatsfunktionäre starteten einen Feldzug gegen traditionelle Ernährung. Die „“bösen“ gesättigten Fette (Speck und Butter) verdammen und dafür „gesunde“ Pflanzenöle unters Volk bringen. Sally Fallon und Dr. Michael Eades beschreiben, wie es dazu kam:
    http://www.youtube.com/user/FatHeadMovie#p/u/20/flLwKQGm43A
    Na ja, Olivenöl ist harmlos aber alle anderen Pflanzenöle oxidieren wie Teufel. Molekularbiologie hilft zu verstehen, warum. Die ganze „Diet-Heart-Hypothesis“ war Unsinn. Nicht gesättigte Fette „verstopfen die Arterien“ – die Vorstellung von verstopften Arterien ist sowieso Quatsch- sondern hochungesättigte Omega-6-Fettsäuren sind ein Risikofaktor.
    Chris Masterjohn weiß mehr dazu:
    http://www.westonaprice.org/know-your-fats/2021-precious-yet-perilous
    Cholesterin ist unschuldig
    http://www.cholesterol-and-health.com/Does-Cholesterol-Cause-Heart-Disease-Myth.html
    Was bleibt jetzt noch für die Küche? Hülsenfrüchte?
    Die haben auch Antinährstoffe wie Getreide und Soja. Weshalb sie auch in traditionellen Ernährungsweisen nur nach aufwendiger Vorbereitung überhaupt gegessen wurden. Einweichen und fermentieren hat die Antinährstoffe reduziert oder inaktiviert.

  5. Black Swan schreibt:

    Teil4:
    Es gibt gesunde Tieresser wie Chemiker Mat Lalonde, PhD, (Harvard) und Ökonomie-Professor em. Art Vany (UCI)

    und gesunde Veganer wie Fitness Trainer Mike Mahler. Mike ist ein cooler Typ, ich habe eine seiner Trainings-DVDs.Seine Vorträge zu Hormon-Optimierung durch Ernährung, Training, Stress-Management sind auch nicht übel.
    http://hiprawhealth.com/172.html
    http://www.youtube.com/user/mahler25#p/u/39/IsTqnvMBoa8
    „Beispieldenken“ gibt also wie immer nichts her. Was haben die drei Herren gemeinsam? „Eat whole foods. No processed junk food.“ Kein tierisches oder pflanzliches Kunstfutter vom Discounter oder Biomarkt.
    Die Mehrzahl der Veganer und der Omnivores ist eher nicht gesund, weil sie junk food statt frische Nahrungsmittel essen und nicht wissen, daß Nahrung Information ist, die Gene an- und abschaltet und Hormone beeinflußt. Veganer haben weniger Auswahl an Lebensmitteln als Omnivores, weshalb Mahler auch ordentlich mit Proteinpulver und teuren Supplements stoffen muß. Aber immerhin es geht. Mahler glaubt nicht, daß vegane Ernährung gesünder ist, er lebt vegan aus rein ethischen Gründen.Und wenn er zu Veganerkongressen geht, sieht er viele ungesunde Leute (Mahler: „they eat crap and they look like ET“.

  6. Black Swan schreibt:

    Teil 5

    Auch wenn man sich um Tierquälerei nicht schert: Massentierhaltung/Billigproduktion ist übel für Menschen, Tiere und Umwelt. Von den miesen Arbeitsbedingungen in der Agro-Industrie mal ganz abgesehen. ABER: Industrielle Pflanzenproduktion mit gigantischen Monokulturen (Raps, Mais, Getreide, Reis usw) ist auch eine gesundheitliche und ökologische Katastrophe..

    Welthunger bekämpfen? Das sollten wir im eigenen Land anfangen. Die Übergewichtigen hungern auch! Jeder, der mal ein bißchen Biochemie guckt, weiß das!
    Insulin-Resistenz – die Körperzellen hungern, die Fettmasse wächst.
    http://drcederquist.com/weight-loss-library/insulin-resistance/what-is-insulin-resistance.aspx
    Dr. Jack Kruse: Leptin
    http://jackkruse.com/chapter-one-on-leptin/

    Die Mehrzahl der Leute in der reichsten Gesellschaft der Welt – USA- hungert. Nährstoffmangel und Insulinresistenz, nicht zu wenig Kalorien. Deutschland holt stark auf. Man kann mit Überfressen (entzündungsfördernd!) fett werden und trotzdem langsam verhungern. Dauert nur länger und maskiert sich als „chronische Krankheit“ oder „Alterserscheinung“ – ideologische Begriffe, die die Folgen ungesunder Lebensverhältnisse verschleiern. Wenn man auf Google Scholar mal „obesitiy“ , chronic inflammation“, „leptin resistance“ und „insulin resistance“ eingibt, findet man Tonnen von Material dazu. „Pro-inflammatory diet“ googeln bringt auch einen Perspektivenwechsel auf die Bedeutung von Qualität der Nahrung. Absoluter Hunger macht tot, relatives Verhungern macht krank und fett (Pflegeheim statt Freizeitsport im Rentenalter).

  7. Tutnichtszursache schreibt:

    Hallo Schwarzer Schwan, schön dass du so unvermittelt auftauchst. Gute Gegenbeispiele. Das macht das echt zu einer ausgewogenen Analyse hier….

  8. Lisa schreibt:

    „Ex-Veganerin Lierre Keith sieht den „Vegetarian Myth“ sehr kritisch:
    http://www.marksdailyapple.com/vegetarian-myth-review/
    http://www.precisionnutrition.com/interview-with-lierre-keith
    @blackswan: vielleicht solltest du dich etwas genauer über Lierre Keith erkundigen…..die Argumente, die sie in ihrem Buch verkündet, sind völlig haltlos. Sie selbst gehört übrigens zur Gruppe der Primitivisten.
    s. hier:
    http://abolitionismus.blogspot.com/2011/05/rezension-lierre-keith-vegetarian-myth.html

    • Black Swan schreibt:

      Keith‘ Argumente sind haltlos? Ich kenne eine Menge Leute, die weder Primitivisten noch Esoteriker sind, die bezüglich „sustainable agriculture, Gesundheit & Ernährung und Zivilisation in die gleiche Richtung gehen, auch wenn sie mit Keith oder der Veganer-Welt nichts zu tun haben. Molekular- und Evolutionsbiologen, Chemiker, Biochemiker, Ernährungswissenschaftler, Mediziner, Anthropologen, Geographen, Sozialwissenschaftler, Bauern……Das heißt nicht, daß Keith recht hat, aber es heißt, daß sie Teil eines weit größeren Diskurses ist, der keinesfalls nur in randständigen Zirkeln gepflegt wird.

      Deshalb habe ich das Buch zitiert. Ob sie korrekt referiert und ob man die zitierte Literatur für brauchbar oder falsch hält, ist natürlich eine andere Frage. Die man nur beantworten kann, wenn man das Buch liest und die Quellen überprüft. Zumindest bietet es viel spannenden Lesestoff. Anthropologie, Permakultur, Molekularbiologie, Medizin, insbesondere Evolutionsmedizin und –biologie, Geschichte, feministische und Genderforschung, Ideologiekritik….Daß Keith zu den Primitivisten gehört, sagt nichts über die Richtigkeit oder Falschheit ihrer Thesen aus. Zu irgendwas gehört jeder. Ich habe sowohl bullshit als auch sehr Kluges gelesen von Konservativen, Liberalen, Libertarians, Primitivisten, Anarchisten, Surrealisten, Sozialisten, Kommunisten…… So what.

      Die These, daß die Einführung der Agrikultur Umweltzerstörung, Gewalt und Kriege in großem Maßstab, Klassen- und Ausbeutergesellschaften, Rassismus, Sexismus in die Welt gebracht haben, hat schon der Anthropologe Lewis Morgan in seinem Buch „Ancient Society“ vertreten. Das war 1877, also lange vor Lierre Keith und Derrick Jensen.
      http://www.marxists.org/reference/archive/morgan-lewis/ancient-society/index.htm

      Anknüpfend an ihn Friedrich Engels in „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates.“
      http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_025.htmDie Entstehung de

      Nach ihm haben diese kritische Perspektive auf den „Zivilisationsprozeß“ noch viele andere Wissenschaftler und Intellektuelle eingenommen.
      http://books.google.de/books?id=j76xWMZ2kiUC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false
      http://www.independent.co.uk/news/science/spencer-wells-at-root-were-still-hunters-1993055.html
      Ein klassischer Text dazu von Prof. Jared Diamond: Agriculture – The Worst Mistake in the History of the Human Race
      http://jeffweintraub.blogspot.com/2005/09/jared-diamond-on-why-invention-of.html

      Prof. Dr. em. Karl Hermann Tjaden (GH Kassel) hat einige sehr materialreiche Bücher dazu herausgegeben.
      Studien zu Subsistenz, Familie, Politik
      Band 1: Gesellschaft von Olduvai bis Uruk
      Soziologische Exkursionen
      Band 2: Gesellschaft von Rom bis Ffm
      Ungleichheitsverhältnisse in West-Europa und die iberischen Eigenwege
      Band 3: Gesellschaft von Tikal bis irgendwo
      Europäische Gewaltherrschaft, gesellschaftliche Umbrüche, Ungleichheitsgesellschaften neben der Spur
      Band 4: Gesellschaft, Herrschaft und Bewußtsein
      Symbolische Gewalt und das Elend der Zivilisation
      http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Theorie/staat2.html

      Der teleologisch-idealistische Mythos vom „Fortschritt“ -von bürgerlicher Aufklärung bis sozialistischer Arbeiterbewegung- ist inzwischen ein toter Hund. Zu recht wie ich finde. Also wirklich – welcher denkende Mensch betrachtet chronische Krankheit, systematische Zerstörung von Mensch, Tier und Umwelt, Überbevölkerung, Klassengesellschaft, Sexismus, Rassismus, Staatsherrschaft und Bürokratie als „Fortschritt“?

      Und mit der Gesundheit und Lebenserwartung ging es bergab mit der Agrikultur.
      http://www.dovepress.com/the-western-diet-and-lifestyle-and-diseases-of-civilization-peer-reviewed-article-RRCC
      Seit der industriellen Revolution sind die Leute zwar nicht gesünder und auch nicht langlebiger, aber da sie durch den medizinisch-industriellen Komplex, zu großen Teilen finanziert durch Pharmaindustrie und Agrarindustrie, künstlich am Leben gehalten werden (in welchem Zustand auch immer…..), fällt das nicht so auf. Immer mehr Leute finden das pervers.

      Zusammenfassung: Ich behaupte weder, daß Keith und ihr Buch toll sind und Veganer doof, noch das Gegenteil. Ich behaupte allerdings, daß man die Themen, um die es Keith geht, nicht einfach als haltloses Geschwätz einer durchgeknallten Esoterikerin abfertigen kann.

      • NS schreibt:

        Danke Black Swan! Ich hoffe dass die Veganer es endlich verstehen, was für ne falsche „Religion“ Veganismus ist. Weston A. Price Foundation erklärt sogar auch sehr gut wie wichtig fettlösliche Vitamine A, D und B12 sind: Ihre pflanzliche Varianten werden leider nicht so gut von unserem Körper verwertet wie es immer behauptet wird. Das ist ein Mythos: Beta-carotene im Gemüse ist nicht gleich vitamin A.

  9. Andre Müller schreibt:

    Es ist teilweise recht traurig, was viele Menschen unter vegetarischer bzw. veganer Ernährung verstehen. Dies schließe ich nicht nur aus den obigen Beiträgen, sondern auch aus persönlicher Erfahrung. Dabei unterliegen dem Irrtum nicht nur Fleischesser, sondern auch viele, die den Schritt zur vegetarischen und veganen Ernährung gewagt haben!
    Ich will niemandem einen Vorwurf machen, da dies scheinbar die Folge dessen ist, daß seit Jahrzehnten der Mensch nichts anderes als Teifgefrorenes und FastFood ißt. Bestenfalls gibt es mal einen Besuch im Restaurant, wo er noch echtes Essen bekommen könnte. Und wirklich kochen kann erst recht kaum noch jemand!!!

    Gesund essen heißt: frisch gekochtes, varianten- und abwechslungsreiches Essen! Damit das möglich ist, ist es erforderlich, daß Jemand in der Familie sich hauptberuflich um das Kochen kümmert! (Stichwort: traditionelle Rollenaufteilung).

    Wer keine Zeit für das Kochen hat, soll bei seiner Ernährungsumstellung regelmäßig zur Kontrolle gehen und stets Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

    Die vegetarische bzw. vegane Ernährung dafür verantwortlich zu machen, daß man körperlich nicht mehr fit ist, oder gar erkrankt, ist mehr als unfair und auch nicht gerechtfertigt!!!

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