Buch-Empfehlung: „Anständig essen“ von Karen Duve

Nach „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer habe ich vor kurzem auch Karen Duves Buch „Anständig essen“ gelesen, und einige Parallelen festgestellt. Beide Autoren hatten zuvor sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht, und das kommt beiden Büchern zugute, was den Schreibstil betrifft. Beide Autoren nehmen den Leser auf eine persönliche Entwicklungsreise. Karen Duve schreibt streckenweise sehr amüsant und oftmals selbstironisch über ihre „Versuchsreihe“. So hat sie jeweils zwei Monate lang zunächst komplett auf Bio-Lebensmittel umgestellt, danach vegetarisch gegessen, anschließend zwei Monate vegan, um sich schließlich frutarisch zu ernähren. Karen Duve wohnt zusammen mit einer Mitbewohnerin und vielen Haustieren in einem Haus im Umfeld von Berlin. Und eben jene Mitbewohnerin hat Frau Duve vielleicht den entscheidenden Anstoß zu diesem Selbstversuch und dem daraus resultierenden Buch gegeben. Karen Duve gibt zu, dass ihr natürlich schon vorher öfter mal mulmig zumute war, wenn sie eine Hähnchenpfanne für 2,99 Euro gekauft hat, man habe ja hier und da spät im TV eine Doku gesehen. Aber sie hat es weggeschoben, so wie es wohl viele Menschen machen – man möchte das gar nicht so genau wissen, wie es in großen Fleischbetrieben aussieht, oder was alles so in Lebensmitteln verarbeitet wird, sonst würde einem der Bissen wohl im Hals steckenbleiben. Als ihre Mitbewohnerin ihr aber noch einmal deutlich vor Augen geführt hatte, was sie da eigentlich durch den Kauf ihrer heiß geliebten Grillhähnchenpfanne unterstützen wurde, wagte sich Frau Duve schließlich, die Augen zu öffnen, genauer hinzuschauen, sich richtig zu informieren.

Das Buch beschreibt diesen Weg des sich quasi stetig verschärfenden Selbstversuches, denn als Frutarier ist es wahrlich nicht unkompliziert, sich zu ernähren. Der Leser des Buches erhält nicht nur wertvolle und sicherlich teilweise überraschende oder gar schockierende Hintergrundinformationen, sondern erhält bestenfalls gute Anstöße aus erster Hand, von einem Menschen, der, ähnlich wie viele Leser, viele Jahre seinen Supermarkteinkauf nicht in Frage gestellt hat, dann aber sein Kauf- und Essverhalten innerhalb von wenigen Monaten drastisch geändert hat. Und nicht nur in ihrem Fazit bin ich absolut bei Frau Duve, auch wenn sie das alles eleganter zu formulieren vermag (manche Sätze aus diesem Buch möchte man sich eingravieren oder T-Shirts damit bedrucken lassen): Wer sich mit dem Thema Ernährung intensiver beschäftigt, wer nicht die Augen vor der Realität verschließt, der kann eigentlich nicht umhin, sein Essverhalten zu überdenken. So sagte sie z.B. in einem Interview mit dem Stern, sie empfinde wegen ihrer früheren Essgewohnheiten Reue: Dass sie als Supermarktkundin überhaupt so lange Teil des „perversen“ Umgangs mit Tieren gewesen sei, darüber sei sie „zutiefst beschämt“. Und, angesprochen auf das ihr sehr wichtige Thema Massentierhaltung: „Ein Verbrechen ist auch dann ein Verbrechen, wenn es alle tun.“.

Bei welcher Ernährungsart Karen Duve am Ende „gelandet“ ist, wird hier nicht verraten, denn das Lesen des Buches, das kein trockenes Sachbuch ist, lohnt sich für Grillhähnchenpfannen-Lieber wie für Biolebensmittelkäufer gleichermaßen. Gerade weil es so unterhaltsam geschrieben ist. Hier gibt es ein Video, in dem die Autorin eine Kostprobe (haha) aus ihrem Buch bietet.

Karen Duve – Anständig essen, Galiani Verlag Berlin, 335 Seiten, 19,95 Euro (gebundene Ausgabe).

Erhältlich z.B. hier: Anständig essen: Ein Selbstversuch

2 Gedanken zu “Buch-Empfehlung: „Anständig essen“ von Karen Duve

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